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Mrz 10 2018

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Der Hybrid-Zwerghamster

Ein Hybrid-Zwerghamster entsteht aus der Kreuzung eines Dsungarischen und eines Campbell-Zwerghamsters. Dies sind die einzigen beiden Zwerghamsterarten, die sich untereinander fortpflanzen können. In der Natur kommen Hybriden allerdings nicht vor, da sich die Lebensräume der beiden Arten nicht überschneiden. Der Hybrid-Zwerghamster entstand also durch Menschenhand, denn viele Jahre lang war nicht bekannt, dass es sich bei Dsungaren und Campbells um eigenständige Arten handelt, sodass sie häufig miteinander verpaart wurden. Mittlerweile ist davon auszugehen, dass es sich bei nahezu allen Tieren dieser Arten, die als Heimtiere gehalten werden, aus Notfällen stammen oder in Zooläden angeboten werden, um Hybriden handelt. In seltenen Fällen kommen reinrassige Dsungaren oder Campbells aus Laboren in die Hände des Tierschutzes.

Die Reinrassigkeit eines Zwerghamsters kann allein durch äußerliche Merkmale nicht beurteilt werden. Dazu wäre eine sorgfältige Zuchtauswahl und Kenntnis des Stammbaums der Elterntiere erforderlich. Aus diesem Grund erfolgt die Einteilung unserer Schützlinge in die verschiedenen Arten allein nach phänotypischen Merkmalen, also dem Erscheinungsbild des Hamsters. Diese Merkmale sollen im Folgenden erörtert werden.

Merkmale, die ausschließlich bei Hybriden auftreten:

  • Die Farbe Mushroom (hellbeige)
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Die Farbe Mushroom identifiziert einen Zwerghamster eindeutig als Hybriden.

  • Der sogenannte MI-Faktor zeigt sich durch weiße Flecken am Körper. Hierbei handelt es sich um die Mutation eines Proteins. Es gibt keine unmittelbaren gesundheitlichen Probleme, allerdings sind Nachkommen zweier Zwerghamster mit MI-Faktor, bei denen es zu einer Doppelung des Gens mit MI-Faktor kommt, nicht lebensfähig. Sie kommen ohne Augen und Zähne zur Welt und versterben bereits nach wenigen Tagen oder Wochen. Da der MI-Faktor dominant vererbt wird, kommt es etwa bei einem Viertel der Nachkommen zweier Zwerghamster mit MI-Faktor zu einer solchen Doppelung.
  • Das Backflipping Syndrom entsteht durch einen Gendefekt, ist angeboren und unheilbar. Je nach Grad des Ausprägung nickt der betroffene Hamster nur leicht mit dem Kopf, fällt rückwärts um oder hält sogar dauerhaft den Kopf schief. In extremen Fällen kreiselt der Hamster dauerhaft um die eigene Achse. Das Syndrom kann zwar nicht geheilt werden, jedoch gibt es gute Möglichkeiten, die Symptome deutlich zu lindern. In erster Linie sollte jeglicher Stress unbedingt vermieden werden, da er sich sehr negativ auf die Symptome auswirkt. Das Gehege sollte möglichst ebenerdig sein, auf Etagen und Häuschen, von denen der Hamster sich herunterstürzen könnte, sollte unbedingt verzichtet werden. Zusätzlich hilft es dem Hamster sehr bei seiner Orientierung, wenn das Gehege nicht übermäßig voll eingerichtet ist und das Mindestmaß von 0,6m² nicht großartig überschritten wird. Der Hamster muss anfangs bei der Nutzung von Inventar, wie beispielsweise des Laufrads sehr genau beobachtet werden. Der Halter sollte selbstständig abwägen, ob ein Laufrad oder anderes Inventar ein zu hohes Gefahrenpotenzial für den Hamster darstellt und vielleicht besser entfernt werden sollte. In extrem schlimmen Fällen findet der betroffene Hamster Futter- und Wasserstellen nicht mehr, sodass es ratsam sein könnte, das Tier einschläfern zu lassen.
    Das Backflipping Syndrom tritt sehr häufig bei Hybriden in der Farbe Mushroom auf.

Weist ein Zwerghamster also eines dieser Merkmale auf, kann er eindeutig als Hybride identifiziert werden. Ist dies nicht der Fall, so wird anhand der folgenden Merkmale bestimmt, ob es sich eher um einen Dsungaren oder einen Campbell-Zwerghamster handelt. In diesem Fall ist also nur eine Beurteilung nach äußerlichen Merkmalen möglich, die jedoch keinesfalls zutreffend sein muss.

Merkmale, die für einen Dsungarischen Zwerghamster sprechen:

  • Große runde Augen und kleinere Ohren, die manchmal sogar im Fell verschwinden können.

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    Die Dreibogenlinie fehlt bei Tieren in pearl (weiß).

  • Dunkel abgesetzte Dreibogenlinie an den Flanken des Hamsters. Eine Ausnahme bilden hier lediglich Dsungaren in pearl (weiß), bei denen diese Linie nicht vorhanden ist.
  • Das Fell färbt sich im Winter teilweise oder sogar ganz weiß. Dies ist allerdings nicht bei allen Dsungaren der Fall, tritt aber bei einem reinerbigen Campbell-Zwerghamster niemals auf.
  • Dsungaren treten nur in 3 anerkannten Farben auf: wildfarben (braun-grau), saphir (grau) und pearl (weiß). Die Augen sind immer schwarz.

 

 

Merkmale, die für einen Campbell-Zwerghamster sprechen:

  • Kleinere schmalere Augen und große Ohren, die deutlich aus dem Fell ragen.
  • Die Dreibogenlinie ist vorhanden, aber nicht deutlich abgesetzt, sondern eher verwaschen.
  • Die Wildfarbe ist etwas rötlicher und weniger grau als die des Dsungarischen Zwerghamsters. Darüber hinaus sind viele verschiedene Farbschläge von verschiedenen Braun- und Beigetönen, über graue und schwarze bis hin zu gescheckten Tieren. Auch rote Augen sind möglich.

In der Haltung und ihren Ansprüchen unterscheiden sich Hybriden kaum von Dsungaren und Campbell-Zwerghamstern. Sie haben die Neigung zu Diabetes des Campbell-Zwerghamsters geerbt, deshalb sollte auch hier unbedingt auf Zucker und Obst in der Ernährung verzichtet werden. Viele Hybriden neigen außerdem zu Fettleibigkeit, die zu Typ 2 – Diabetes führen kann.

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Über den Autor

Julia

Pflegestelle und Ansprechpartner für Farbmäuse, Sponsorenbetreuung

Farbmäuse begleiten mich nun schon seit vielen Jahren. Ich möchte mein angesammeltes Wissen und meine Erfahrungen mit anderen Maushaltern und allen Interessierten teilen und so meinen Teil dazu beitragen, einigen Mäusen ein schöneres Leben zu bieten, richtige Informationen zu verbreiten und falsche Haltungsempfehlungen zu verdrängen.

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