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Jan 09 2014

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Die Ernährung des Kaninchens

Gastbeitrag von Buchautor Andreas Rühle (Kaninchen würden Wiese kaufen

Die Nahrung des Wildkaninchens

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(c) Andreas Rühle

Um die Notwendigkeit einer guten Ernährung des Kaninchens zu verstehen, muss man sich mit der Wildform beschäftigen. Es wird oft behauptet, dass Wildkaninchen mit der domestizierten Form nicht vergleichbar wären. Das mag für äußere Merkmale sicher zutreffen, aber die Nahrungssuche, -aufnahme, -verdauung und –ausscheidung sind für beide Formen vergleichbar, wie verschiedene Untersuchungen belegen. 

(c) Andreas Rühle

(c) Andreas Rühle

Das Wildkaninchen (Oryctolagus cuniculus) zählt zu den  Pflanzenfressern (Herbivore). Innerhalb dieser Gruppe wird es auf Grund seiner Fressweise als Folivore (Blattfresser) und Konzentrat-Selektierer (Browser) bezeichnet. Das bedeutet schlicht, dass sich Kaninchen vorwiegend von den Blattspitzen frischer, grüner Landpflanzen wie Süßgräser und Kräuter ernähren, weil sich in diesen die Nährstoffe konzentrieren und sie nur wenig Rohfaser enthalten. Diese Selektion der Nahrung unterscheidet es von anderen Pflanzenfressern wie z. B. dem Rind oder dem Pferd, die als Gras-/Ballaststofffresser (Grazer) bezeichnet werden. 

Oft sieht man Wildkaninchen auf scheinbar kargen Flächen fressen. Tatsächlich sind es aber die frischen, jungen, nachwachsenden Gräser und Kräuter, die es gern frisst und die akribisch ausgewählt (selektiert) werden. 

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(c) Andreas Rühle

In der Vegetationszeit werden zusätzlich zu Gräsern, die ganzjährig zur Verfügung stehen, Kräuter gefressen. Beliebt sind unter anderem zum Beispiel Labkraut und Breitwegerich. 

Je nach Verbreitungsort, Klima und Saison frisst es zusätzlich Pflanzensamen, Moose, Pilze, die Rinde von Bäumen und Sträuchern, Setzlinge, Baumtriebe und -nadeln, Blüten und Laub. Als „Schädling“ in Kulturlandschaften wird es oft deshalb bezeichnet, weil es die oberirdischen Bestandteile von Kulturpflanzen wie Gemüse, also deren Blätter bzw. das Kraut, frisst und die Pflanze bzw. die Frucht dadurch abstirbt. 

Samen von Pflanzen stehen eine relativ lange Zeit im Jahr zur Verfügung, ob von Gräsern oder Kräutern. Sie sind u. a. eine wichtige Energiequelle die in Zeiten von Revierkämpfen, Fortpflanzung, Aufzucht und Wachstum der Jungtiere wichtig ist. Das Fett der Samen enthält zudem einen hohen Anteil an mehrfach ungesättigten Fettsäuren, die essentiell, also lebensnotwendig sind. So zählt z. B. der Samen des Deutschen Weidelgrases (Raygras) zu einer beliebten Nahrungsquelle. 

(c) Andreas Rühle

(c) Andreas Rühle

Das Verdauungssystem des Kaninchens ist bestens an die Nahrung und Fressweise angepasst. Der gesamte Darm ist im Verhältnis zur Körperlänge sehr lang, er ist ca. 9mal länger als der Körper. Beim Menschen ist der Darm ca. 6mal länger. Magen und Darm des Kaninchens sind immer zumindest teilweise gefüllt. Der Nahrungstransport erfolgt durch die Aufnahme neuer Nahrung und durch Kontraktionen (Eigenbewegungen) der Darmmuskeln. Die Nahrung des Kaninchens besteht zu einem hohen Anteil an unverdaulichen Bestandteilen. Um den Bedarf an Nährstoffen trotzdem zu befriedigen, hat das Kaninchen einen einzigartigen Mechanismus gefunden. Kleine, besser verdauliche Bestandteile werden im Blinddarm von Bakterien verwertet. Das Resultat ist eine Masse, die reich an Fetten und Proteinen ist. Diese Masse wird vom Kaninchen als so genannter Blinddarmkot ausgeschieden und direkt vom After wieder aufgenommen. Unverdauliche Bestandteile wie die Rohfaser der Pflanzen werden schnell durch den Darm transportiert und als Hartkot ausgeschieden. Sie dienen also mehr dem Nahrungstransport und der Anregung der Darmperistaltik. 

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(c) Andreas Rühle

Das Kaninchen ist in einem gewissen Rahmen sehr anpassungsfähig an Änderungen in der Nahrung. Das geschieht durch Veränderungen vor allem der inneren Struktur der Darmwände. Es reagiert aber recht empfindlich auf Abweichungen, die eine Änderung der Bakterienkultur im Blinddarm zur Folge haben und sich auf die Peristaltik, also den Mechanismus des Nahrungstransportes im Darm zur Folge haben. Mit diesem Wissen ist es recht einfach, ein Hauskaninchen so zu ernähren, das es gesund bleibt. 

Die Ernährung des Hauskaninchens

Die einfachste Möglichkeit, ein Hauskaninchen so zu ernähren, dass es gesund bleibt, wäre die Übernahme der Nahrung des Wildkaninchens für die eigenen Tiere. Diese hat sich seit Jahrtausenden bewährt und ebenso lange sind die Folgen bekannt, wenn man zu weit von diesem Ideal abweicht. Verbunden mit Freilauf auf einer Wiese wäre den Tieren die Möglichkeit geboten, ihre Nahrung selbst auszuwählen. Die Nahrungssuche und -Auswahl sowie die Fressweise entspricht in diesem Fall dem ihrer wilden Verwandten.

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(c) Andreas Rühle

 

(c) Andreas Rühle

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Ergänzt werden kann diese Auswahl durch gesammeltes Grünfutter. In diesem Fall ist oft der Stängelanteil und somit der Anteil an unverdaulichem Pflanzenfasern sehr hoch, weshalb die gesamte Menge groß sein sollte. Somit kann das Kaninchen auswählen, was ihm schmeckt und nutzt. 

Ebenso wie die Wildkaninchen fressen domestizierte Kaninchen gern die Samen von Gräsern und Kräutern.

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(c) Andreas Rühle

Da Kaninchen gern nagen, können Äste und Zweige verschiedener Bäume angeboten werden. Somit kann es seinem Nagebedürfnis nachgehen und ist beschäftigt. Die Rinde mancher Bäume und Sträucher enthält zudem Substanzen, die der Gesunderhaltung dienen können. 

(c) Andreas Rühle

(c) Andreas Rühle

 Alternativen der Ernährung

Obwohl fast jedem Kaninchenhalter bekannt ist, was Wildkaninchen fressen, findet man heute die verschiedensten Empfehlungen für alternative Ernährungsformen. Diese haben vor allem eines im Sinn: den Aufwand der Nahrungsbeschaffung für den Halter möglichst gering und preiswert zu gestalten. In der Regel handelt es sich bei den Alternativen um Heu und Gemüse. 

(c) Andreas Rühle

(c) Andreas Rühle

Da Kaninchen als Pflanzenfresser bekannt sind, besteht oft die Meinung, dass auch alles pflanzliche ein gutes Futter für die Tiere sein könnte. Vor allem Heu wird als unabdingbar bezeichnet und nicht selten findet man Empfehlungen, Kaninchen notfalls zum Heufressen zu zwingen, weil es sehr wichtig für die Verdauung und den Zahnabrieb wäre. 

(c) Andreas Rühle

(c) Andreas Rühle

Heu wurde schon immer als Ergänzung zum Hauptfutter angeboten. Dem Kaninchen sollte damit die Möglichkeit gegeben werden, eventuellen Darmerkrankungen vorzubeugen. Die Wichtigkeit nahm allerdings erst zu, als industrielle Fertigfutter für Kaninchen Einzug in die Fütterung hielten. Bei den Pressfuttern, auch Pellets genannt, handelt es sich um Nahrungskonzentrate. Natürliche Nahrung besteht zu ca. 80% Wasser und dieses fehlt den Pellets. Somit fehlt auch das Nahrungsvolumen, welches den langen Darm füllt und die Nahrung vorwärts bewegt. Durch die Nährstoffkonzentration in geringem Volumen verringert sich die Durchgangsgeschwindigkeit der Nahrung im Darm. Zum Problem wird das vor allem im Blinddarm, denn wenn dort gut verdauliche Nahrung zu lange verweilt, erhöht sich die Zahl der Bakterien, die sich von diesen Nährstoffen ernähren. Abhilfe sollte das Heu schaffen, denn ein großer Teil der Rohfaser beschleunigt die Durchgangsgeschwindigkeit. Dadurch besteht aber die Gefahr der Verstopfung durch Anschoppungen im Darm. Verursacht werden kann diese durch hohe Mengen trockener Nahrung. Als Folge kann es zu Aufblähungen bis hin zu Trommelsucht und Darmlähmung kommen. 

Heu enthält vergleichsweise wenige Nährstoffe, von denen viele zudem nicht in gelöster Form vorliegen. Durch die erhöhte Durchgangsgeschwindigkeit bleibt dem Körper zu wenig Zeit, aus dem Futter die benötigen Nährstoffe zu lösen und aufzunehmen. Als Folge muss das Tier von körpereigenen Stoffen zehren, was sich z. B. in Muskelabbau bemerkbar macht. 

Heu gilt zudem als ultimative Vorsorge für die Zahngesundheit. Dem widersprechen zahlreiche Untersuchungen zu den Kauaktivitäten. So wurde z. B. festgestellt, dass mit gutem Heu die Kauzeit gegenüber der mit frischem Gras geringer ist. Eine weitere Untersuchung wies nach, dass die Kaufrequenz mit frischem Grün höher ist. Schließlich wurde auch noch festgestellt, dass der Abrieb der unteren Schneidezähne bei der Verfütterung von Heu im Vergleich zu Gemüse und Kraftfutter/Pellets am schlechtesten ist. (Weitere Informationen siehe unter http://www.kaninchen-wuerden-wiese-kaufen.de/gebiss.htm

Gemüse gilt für den Menschen als sehr gesund, weil vitaminreich. Verglichen mit Gräsern und Kräutern, von denen sich ein Kaninchen eigentlich natürlicherweise ernährt, ist der Vitamingehalt jedoch eher als marginal zu bezeichnen. Einige, wichtige fehlen ganz bzw. sind nur in Spuren vorhanden, das gleiche gilt für essentielle, mehrfach ungesättigte Fettsäuren und Mineralien. Der Anteil an unverdaulicher Rohfaser ist sehr gering, dafür ist aber der Betrag an leicht verdaulichen Kohlenhydraten zu hoch.  Wirklich punkten kann Gemüse für das Kaninchen also nur als zusätzliche Wasserquelle. 

Wenn man nun eine Kombination der genannten Alternativen füttert, die jede für sich Nachteile aufweist, so wird aus diesen nicht am Ende ein „Plus“ für das Kaninchen, sondern nur die Summe der Nachteile. 

Die folgenden Diagramme zeigen beispielhaft einige Hauptnährstoffe und die verdauliche Energie verschiedener, möglicher Futtermittel im Vergleich: 

Rohprotein: der Anteil ist in „Wiese“ am höchsten, zudem liegen die Aminosäuren als Bausteine der Proteine komplett und in einem ausgewogenen Verhältnis vor. Das gilt vor allem für die erstlimitierenden Aminosäuren. Durch die Trocknung des Heus geht ein Teil dieser verloren und mindert somit die Verwertung der anderen Aminosäuren. Es entseht ein dauerhafter Mangel. 

(c) Andreas Rühle

(c) Andreas Rühle

Rohfett: Der Anteil in Wiese ist am höchsten. Fett ist nicht nur als Energielieferant zu sehen, es enthält auch idealerweise mehrfach ungesättigten Fettsäuren. Diese  sind essentiell (lebensnotwendig und können nicht vom Organismus synthetisiert werden). In Heu gehen sie durch die Trocknung verloren, in Gemüse sind sie, wenn überhaupt, nur in Spuren vorhanden. 

Rohfaser: Durch die Trocknung von Wiese ist der Rohfasergehalt von Heu sehr hoch, zudem verändert sich die Zusammensetzung der Fasern (verdaulich / leicht verdaulich / unverdaulich). In Gemüse ist der Faseranteil gering, es überwiegen zudem leicht verdauliche Fasern 

Verdauliche Energie: In Gemüse ist der Gehalt an verdaulicher Energie am höchsten, weil es im Vergleich zu Wiese und Heu sehr gut verdaulich ist. Die verdauliche Energie zeigt indirekt, dass es zu Verdauungsproblemen kommen kann, weil die Bakterien im Blinddarm zu viel Nahrung erhalten.

(c) Text und Bilder by Andreas Rühle – Kaninchen würden Wiese kaufen

 

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