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Feb 01 2019

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Nager des Monats Februar – Streifenhörnchen Cookie

Nager des Monats Februar

Streifenhörnchen Cookie – Auf einmal ein Leben auf drei Beinen

Mitte Januar erhielt Tanja, unsere Ansprechpartnerin für Streifenhörnchen, ein Hilfegesuch von Eva, einer lieben Tierschutz-Kollegin aus Stuttgart.

Die Halterin eines jungen Streifenhörnchenmädchens hatte sie kontaktiert, da ihr Streifenhörnchen sich offenbar verletzt hatte. Sie war auf der Suche nach einem Tierarzt, der das Tier nicht sofort einschläfern möchte.

So kam sie einen Tag später zusammen mit Cookie und Tanja ging mit ihr zu „ihrem“ Tierarzt.

Da das Thema Kosten für die Halterin eine wesentliche Rolle bei der Behandlung des Streifenhörnchens spielte, hatten sich Tanja und Eva vorher abgesprochen, dass das Tier auf jeden Fall behandelt wird und notfalls die Kosten anderweitig getragen werden.

Cookie war unglaublich tapfer und hat die Untersuchung ganz lieb über sich ergehen lassen. Sie musste unter Einsatz einer leichten Gasnarkose geröntgt werden. Das Röntgen bestätigte die schlimmsten Befürchtungen: Trümmerbruch im Oberschenkel.

Für viele Tierärzte gibt es hier nur einen Weg. Die Euthanasie. Dies allerdings oft aus Unwissenheit und nicht, weil es keine andere Möglichkeit gibt. Ein Hörnchen kann durchaus mit drei Beinen zurechtkommen.

Nach kurzer Rücksprache zwischen Tanja und Eva war klar, dass die kleine Maus operiert werden soll und dann in ein neues „Für-Immer-Zuhause“ nach Stuttgart ziehen darf. Die aktuelle Halterin wollte Cookie abgeben, weil sie ihr zu aggressiv war.

Streifenhörnchen können im Herbst/ Winter in der Tat sehr aggressiv werden. Dies nennt man Herbsteln und es ist durchaus ein natürliches Verhalten. Sie verteidigen ihr Revier und ihre Futterplätze. Allerdings spielt auch die artgerechte Haltung eine große Rolle. Bei Cookie gehen wir davon aus, dass auch Letzteres ein relevanter Faktor war. Zumindest lassen die Bilder der Voliere darauf schließen, dass diese weder art- noch tiergerecht war. Cookie hätte viel Leid erspart bleiben können.

Die kleine Maus hat die OP sehr gut überstanden und ist kurz danach schon in ihrer Transportbox herumgehüpft. Sie durfte recht schnell aus der Box in eine Duna ziehen.

Auch die war ihr von Anfang an zu klein. Allerdings muss, bevor sie in eine große Voliere zieht, sichergestellt sein, dass sie gut mit ihren drei Beinen klar kommt und sich nicht erneut verletzt. Nach einer Woche Beobachtung bei Tanja wurde Cookie von einer weiteren Tierschutz-Kollegin von Düsseldorf nach Stuttgart mitgenommen. Dort wohnt sie in einer Übergangsvoliere, damit sie sich langsam an das Klettern etc. in einer großen Voliere gewöhnen kann. Bald ist es soweit und Cookie kann dann in ihre endgültige Voliere mit viel Platz und Gelegenheiten zum Klettern, Springen und Versteckmöglichkeiten für Futter ziehen. Cookie macht sich super. Sie springt, klettert und hüpft jetzt schon viel und strahlt die pure Lebensfreude aus. Sie ist unglaublich freundlich und sowohl bei Tanja wie auch bei Eva ist bisher nichts von aggressivem Verhalten zu spüren. Im Gegenteil. Sie ist freundlich, neugierig und bisher sehr lieb.

Wenn es nach der Halterin gegangen wäre, wäre Cookie wohl eingeschläfert worden. Die Kosten wären ausschlaggebend gewesen.

Wer sich ein Tier anschafft, hat nicht nur Sorge dafür zu tragen, dass das Tier seinen Bedürfnissen entsprechend richtig untergebracht ist. Er ist auch für die medizinische Versorgung verantwortlich. Das sollte nicht nur selbstverständlich sein, sondern ist auch im Gesetz klar definiert.

Es ist NICHT selbstverständlich, dass jemand ein Tier übernimmt und hohe OP-Kosten bezahlt. Auch kann der Tierschutz solche Kosten nicht einfach übernehmen. In Cookies Fall hat Eva die Kosten im dreistelligen Bereich übernommen. Das ist einfach nur unglaublich toll!

Der Tierschutz ist auf Spenden angewiesen und es wollen mehr Leute Tiere abgeben, um notwendige Kosten für Kastrationen etc. nicht tragen zu müssen, als es die finanzielle Lage der Vereine zulässt. Wir müssen leider immer wieder die Erfahrung machen, dass Tierhalter ihre Tiere „über alles lieben“ – aber nur bis zur ersten höheren Tierarztrechnung.

Cookie hat nun die Chance auf ein glückliches und schönes Leben. Nicht zuletzt verdankt sie dieses der tollen Arbeit und Versorgung der Tierarztpraxis Düsselpfoten in Düsseldorf und vor allem der Tierärztin Katja Kurig, die sowohl die Diagnose gestellt wie auch die OP hervorragend durchgeführt hat. Herzlichen Dank!

Ganz besonderer Dank gilt natürlich der lieben Eva, die Cookie nun ein liebevolles Zuhause gegeben hat!

Einen Hinweis müssen wir Euch zum Schluss noch geben.

Seit 2016 ist die Zucht von Asiatischen Streifenhörnchen (auch Sibirischen Streifenhörnchen oder Burunduks) in der EU verboten. Sie stehen auf der Liste der invasiven Arten. Daher kann es keine seriösen Züchter für diese Tiere geben, da sie gar nicht mehr gezüchtet werden dürfen. Leider finden sich immer noch einige schwarze Schafe, vor allem auf eBay, die diese Tiere verbotenerweise privat „züchten“ und zum Kauf anbieten.

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Über den Autor

Tanja Zagar

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